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Jens Wöhrmann: Hallentennis

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Gut gerüstet für die Hallensaison

Wenn Ende April die Freiplätze in Deutschland geöffnet werden, freut sich jeder Tennisspieler, endlich wieder bei schönem Wetter unter freiem Himmel Sport treiben zu können. Doch ehe man sich’s versieht, ist die Sommersaison, meist im Oktober, beendet und die Plätze werden für den Winter vorbereitet. Doch was nun? Gerade trifft man die Bälle wieder optimal, der Aufschlag ist sicher und die eigene Fitness ist in einem guten Zustand, da ist die Saison vorbei. Um dieses Niveau zu halten, bleibt Spielern nichts anderes übrig, als den Weg in die Halle anzugehen.

Schlägt man dann unter dem Dach die ersten Bälle, fällt auf, dass aufgrund der Bedingungen in der Halle gewisse Dinge nicht mehr so funktionieren, wie es noch auf dem Freiplatz der Fall war. Klar, die Umstellung auf die Beläge, die Akustik, die Temperatur und besonders das veränderte Spiel in der Halle erfordert eine gewisse Zeit und Training, um sich auf die Veränderungen einzustellen. Aus diesem Grund haben wir uns mit dem Chef-Trainer des Westfälischen Tennis-Verbandes, Jens Wöhrmann, unterhalten, um Ihnen einige Tipps zum Thema Hallentennis zu geben. Die Indoor-Saison sollte schließlich genauso Spaß machen wie die Sommerrunde.

Herr Wöhrmann, auf welchen verschiedenen Belägen wird in den Tennishallen Deutschlands gespielt und welche Eigenschaften ha­ben diese?

Jens Wöhrmann: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von unterschiedlichen Belägen, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Zu nennen wären:

– Hartplatz: Auf diesem Belag wird im Leis­tungsbereich gespielt. Vor allem bei internationalen Turnieren herrscht dieser Untergrund vor. Auf Hardcourts ist der Ballabsprung höher und jeder Schnitt wird angenommen. Der Belag ist etwas schneller als Asche (unterschiedlich) und man kann kaum rutschen, wie es auf Asche möglich ist.

– Teppichböden: Teppich ist deutlich

schneller als Asche. Hier gibt es große Unterschiede bei der Geschwindigkeit. Der Ballabsprung ist niedriger und Topspin-Schläge zeigen nur wenig Wirkung. Allerdings wird der Slice vom Belag eher angenommen. Das Rutschen ist im Ge­gensatz zur Asche kaum möglich.

– Aschenplätze: Diese Böden sind der Asche auf Freiplätzen in allen Bereichen sehr ähnlich.

– Granulat- und Kunstrasen: Diese Beläge sind ein wenig schneller als Ascheplätze. Der Schnitt wird vom Untergrund angenommen. Rutschen ist wie auf Ascheplätzen möglich.

Ist es notwendig, Veränderungen in Sa­chen Equipment vorzunehmen, um sich den veränderten Eigenschaften anzupassen? Anderes Schuhwerk, anderer Schläger, andere Seiten, andere Bespannung?

Jens Wöhrmann: Je nach Bodenbelag sollte man seine Schuhe anpassen:

– Hartplatz: spezielle Hartplatzschuhe mit entsprechend grobem Profil.

– Aschenplätze: Claycourt-Schuhe mit entsprechendem Profil („Fischgrätenprofil“)

– Teppichboden: Auf diesem Untergrund sind glatte Sohlen zu bevorzugen.

Andere Saiten braucht man nicht, vielleicht kann man etwas härter bespannen, da das Spiel etwas schneller ist.

Worauf müssen Spieler in der Halle im Vergleich zum Freiluft-Tennis achten? Welche Faktoren sind beim Spiel in der Halle besonders wichtig?

Jens Wöhrmann: Da das Spiel in der Halle etwas schneller ist, kommt dem Aufschlag- und Returnspiel noch mehr Bedeutung zu. Bei Hartplätzen muss die Beinarbeit angepasst werden, da die Bälle nicht „eingerutscht“ werden können, also man muss direkt stoppen (bremsen), auslaufen und abdrücken können. Auf Teppich sind Aufschlag- und Return noch wichtiger, da das Spiel ein eher hohes Tempo hat. Das Spiel wird im Bezug auf die Schläge direkter. Die Ballwechsel sind kürzer. Zudem sollte man eine tiefere Stellung und eine Position nahe an der Grundlinie beachten. Grund hierfür ist, dass ein Auslaufen der Bälle nicht möglich ist.

Wie lange dauert die Umstellung/ Vorbereitung auf die Saison ungefähr?

Jens Wöhrmann: Die Umstellung von „draußen“ nach „drinnen“ geht erfahrungsgemäß schnell. Je nach Trainingsumfang dauert die Umstellung ein bis drei Wochen. Andersherum dauert es etwas länger, da dann die äußeren Bedingungen noch hinzukommen.

Welche Übungen bieten sich im Training in der Halle an, um später im Match einen positiven Effekt zu erzielen?

Jens Wöhrmann: Vermehrte Übungen mit Aufschlag und Return sind wichtig. Eine Anpassung der Beinarbeit ist ebenfalls zu empfehlen. Dies kann zuerst im Korbtraining erfolgen, dann mit technischen und taktischen Übungen im Ballwechsel.

Der Spielaufbau sollte offensiver ausgelegt werden, sowohl beim Aufschlag- und Return-Spiel wie auch von der Grundlinie. Hier können Übungen der „Standardspielzüge“ helfen. Beispiel:

– Aufschlag mit Slice nach außen, Return cross

– Aufschlag auf Körper, Return auf Körper

– offensiver Return auf den 2. Aufschlag

– Serve and Volley ... und so weiter.

Welche Tipps / Faustregeln geben Sie Spielern, egal auf welchem Niveau, für ein erfolgreiches Spiel in der Halle?

Jens Wöhrmann: Ich finde es immer wichtig, dass der Spieler sein Grundspiel/ Grundidee und Stärken auf allen Belägen beibehält und sich dann eben an die speziellen Gegebenheiten des Bodens und der äußeren Bedingungen anpasst. Dann kann man spezielle Dinge erweitern. Es bringt wenig, sein Spiel komplett zu ändern, nur weil man auf einem anderen Belag spielt.

Worauf müssen Spieler achten, wenn es nach der Halle wieder ins Freie geht?

Jens Wöhrmann: Im Grunde werden die zuvor genannten Dinge wieder umgedreht. Hinzu kommen dann die äußeren Bedingungen wie Sonne, blauer Himmel und kein Dach, Wind, usw. hinzu, da dauert die Anpassung dann etwas länger.

Herr Wöhrmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung amDienstag, 13 Oktober 2015 09:50

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