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Barbara Rittner: Fed Cup

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„Das ist ein Luxusproblem“

DTZ-Redakteur Andreas Bender sprach mit Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner über ihren persönlichen Jahresstart, die aktuelle Form der deutschen Damen und die Erstrunden-­Partie gegen die Schweizerinnen in Leipzig.

 

   Frau Rittner, gleich zum Jahresbeginn können Sie sich vor Terminen und Training ja kaum retten, oder? Wie sahen bzw. sehen für Sie die ersten Wochen im Jahr 2016 aus?

Barbara Rittner: Über Weihnachten und Neujahr habe ich ein wenig Urlaub in den Bergen gemacht. Am 4. Januar ging es dann in Stuttgart-Stammheim mit einem Lehrgang unserer acht besten Spielerinnen im Alter zwischen 14 und 18 los. Unter an­derem waren auch Katharina Ger­lach, Lena Rüf­fer und Katharina Hobgarski aus dem Porsche Ta­lent Team mit da­bei, die dann im An­schluss das ITF-Future-Turnier hier in Stammheim ge­spielt haben. Ich selbst bin in der Woche vor dem Start der Australian Open nach Melbourne geflogen. Dort gibt es dann immer zum Start ein gemeinsames Essen mit den zehn Da­men, die im Hauptfeld sind und ihren Trainern, bevor das Turnier losgeht. Im Anschluss geht es für mich auch schon nach Leipzig zur Vorbereitung auf die Fed-Cup-Partie gegen die Schweiz.

Bevor wir auf die aktuelle Saison schauen, noch ein kurzer Rückblick: Wie fällt aus Ihrer Sicht die Bilanz der deutschen Damen 2015 aus? Sind Sie zufrieden mit dem Abschneiden der Spielerinnen?

Barbara Rittner: Nein, insgesamt konnten wir nicht zufrieden sein, obwohl es für Ange­lique Kerber, Andrea Petkovic und Mona Barthel Turniersiege zu verbuchen gab. Im Fed Cup hatten wir eine riesige Chance, erneut das Finale zu erreichen. Die haben wir verspielt.
Angie Kerber hat dafür wieder eine großartige Saison ab­geliefert und das Jahr zum dritten Mal in den Top Ten beendet. Für sie ist 2016 ganz klar das Ziel, bei den Grand Slams erfolgreicher zu spielen.
Insgesamt denke ich, dass wir bei den Grand Slams, und nicht zu vergessen bei der Olympiade in Rio, weit kommen wollen.

Direkt im Anschluss an die Australian Open geht es für Sie und das Fed-Cup-Team nach Leipzig. Was können Sie über die Stadt als Tennis-Standort sa­gen und wie kam es zu dem „Wechsel“? Schließlich ist die Porsche-Arena in Stuttgart ja schon so etwas wie das Wohnzimmer für die deutschen Da­men.

Barbara Rittner: Leipzig ist eine sehr tennisbegeisterte Stadt. Ich persönliche habe den Ort auch wegen des damaligen WTA-Turniers sehr positiv in Erinnerung. Das Turnier war immer gut besucht und es herrschte stets eine tolle Atmosphäre. Das Leipziger Publikum war unheimlich unterstützend und auch bei den ersten Pressekonferenzen zum Fed Cup spürte man eine große Euphorie. Die Tatsache, dass die Karten so schnell ausverkauft waren, ist ebenfalls ein super Zeichen.
Dass wir jetzt einmal nicht in Stuttgart spielen, halte ich für wichtig, auch wenn Stuttgart sich schon fast wie unser Zuhause anfühlt. Hier ist der Sitz unseres Haupt­sponsors Porsche, der uns immer toll unterstützt, genau wie das Stuttgarter Publikum.
Alles in allem ist es aber eine schöne Sache, dass wir uns auch mal in einer anderen Stadt präsentieren können. Wobei sicherlich im Hinterkopf ist, dass eine mögliche Halbfinal-Partie im April vor dem Porsche Tennis Grand Prix auch mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in Stuttgart sein könnte.

Bekanntlich trifft Ihre Mannschaft in Leipzig nun auf die Schweizerinnen. Wie schätzen Sie den Gegner und die Chancen auf ein Weiterkommen ein? Das Schweizer Team mit Timea Bacsinszky, Belinda Bencic und Martina Hingis (im Doppel) verfügt schließlich über sehr starke Spielerinnen.

Barbara Rittner: Es wird sicherlich eine unglaublich schwere Partie. Jedes einzelne Match ist ausgeglichen und wenn alle fit sind, wird hauptsächlich die Tagesform entscheiden. Eine weitere Rolle spielt das Mentale. Auf der einen Seite ist es schön zuhause zu spielen, auf der anderen ist man mehr unter Druck. Nichtsdestotrotz ist es unsere Aufgabe, uns so vorzubereiten, dass wir unser bestes Tennis abrufen. Ohne das werden wir keine Chance haben. Wir müssen uns in einen Rausch spielen und es genießen, uns vor heimischem Publikum zu zeigen. Davon ausgehend, dass Bacsinszky und Bencic im Einzel spielen und Hingis im Doppel eine Bank ist, wird das natürlich ein hartes Stück Arbeit. Da fällt es schwer, eine Prognose zu geben.

Würden Sie sagen, dass die Partie gegen die Nachbarn aus der Schweiz etwas Besonderes ist?

Barbara Rittner: Darüber macht man sich keine Gedanken. Wir haben schon seit längerer Zeit nicht mehr gegen die Schweizerinnen gespielt – zuletzt 2009 auswärts in Zürich, wo wir gewinnen konnten. Sie sind ein sehr starkes Team. Ich kenne Heinz Günthardt als Team-Chef sehr gut aus früheren Zeiten und über seinen Bruder Markus, der ja beim Porsche Tennis Grand Prix Turnierdirektor ist. Insofern hat es schon etwas Besonderes, allerdings nicht so sehr, weil es unser Nachbarland ist, sondern, weil man die Personen sehr gut kennt.

Werfen wir einen Blick auf die deutsche Mannschaft. Haben Sie schon im Kopf, wen Sie im Februar aufstellen werden? Könnte es neben den gestandenen Fed-Cup-Spielerinnen vielleicht auch eine Debütantin geben?

Barbara Rittner: Natürlich spiele ich im Kopf einiges durch, aber entscheidend ist jetzt der Jahresbeginn. Da haben die etablierten Spielerinnen größtenteils wieder sehr gut gespielt. Eine Angie Kerber ist definitiv gesetzt. Bei einer Andrea Petkovic musste man jetzt abwarten, wie sie startet und wie stabil sie wieder mental ist. Anna-Lena Grönefeld ist im Doppel sicherlich ein Thema. Bei Sabine Lisicki muss man schauen, wie sie ihre Verletzung verkraftet hat, wie sie zurückkommt. Und auch Julia Görges hat mit dem Finaleinzug in Auckland einen starken Start hingelegt. Natürlich weiß ich aber auch, dass Spielerinnen wie Mona Barthel, Anna-Lena Friedsam, Annika Beck oder Carina Witt­höft von hinten drücken und dass es schwer ist, aus solch einem Kreis von tollen Spielerinnen zu wählen. Das ist aber ein Luxus­problem und da muss ich mich während der Australian Open eben entscheiden. Das wird nicht einfach und die eine oder andere wird dann auch enttäuscht sein, wenn sie nicht dabei ist.

Wie wird die Woche vor der Partie in Leipzig für Sie und das Team aussehen? Gibt es Trainingsinhalte, auf die Sie den Fokus legen werden? Oder haben Sie sich schon besondere Teambuilding-Maßnahmen überlegt? Gibt es Rituale, die sich eingebürgert haben?

Barbara Rittner: Das ist ja mittlerweile schon recht eingespielt. Es gibt einen Grundplan, der vorsieht, dass wir uns sonntags treffen. Da machen wir direkt für unseren Ausstatter Soccx ein Foto-Shooting. Abends gibt es dann ein Team-Gespräch, da wir noch einiges vom letzten Jahr aufzuarbeiten haben. Am Montagvormittag haben wir dann ein weiteres Fotoshooting für Porsche, auf das wir uns besonders freuen, da wir auf die Porsche Teststrecke dürfen, bevor wir mittags mit dem Training beginnen. Von dort an gibt es jeden Tag zwei Einheiten, es wird viel Zeit mit Physiotherapie verbracht, Einzelgespräche geführt und so weiter. An einem Abend schauen wir gemeinsam einen Film, am anderen machen wir dann verschiedene Teambuilding-Maßnahmen und dann verbringt man eben die Woche gemeinsam. Das ist für mein Betreuerteam, die Spielerinnen und mich im zwölften Jahr schon Routine.

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick: Bei einem Sieg würden Ihre Mädels im Halbfinale auf Tschechien oder Rumänien treffen. Welches Team wäre Ihnen lieber?

Barbara Rittner: Erstmal ist mir das egal, denn wenn wir die erste Runde gewinnen, bin ich sehr zufrieden. Ich schaue im Moment also wirklich nur auf die Partie gegen die Schweiz und weiter noch gar nicht. Natürlich fände ich eine Revanche gegen Tschechien toll, aber das ist absolut zweitrangig. Wenn wir in Leipzig gewinnen, haben wir schon bewiesen, dass wir als Team zusammenhalten und gut dastehen. Zumal diese Teams natürlich alle gut sind. Aber ein Halbfinale in Stuttgart gegen Tschechien – das wäre schon sehr fein.

Frau Rittner, herzlichen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung amMontag, 01 Februar 2016 18:57

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